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Brauchen wir Banken?

Blog-Eintrag   •   Jul 17, 2014 10:06 CEST

Das Vertrauen in die Banken als Institutionen und als Finanzintermediäre ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise schwer erschüttert. Das spielt neuen Anbietern in die Hände, die mit innovativen Geschäftsmodellen dabei sind, einige Funktionen klassischer Banken zu übernehmen.

Disintegration

Diesen Vorgang nennt man die fortschreitende Disintermediation im Banking. Viele neue Spieler sind sog. FinTech-Startups, die sich mittels neuer Technologien, wie sie das Internet zur Verfügung stellt, direkt an die Kunden wenden und die Bank überflüssig machen.

Beispiele: die P2P-Kreditplattformen (smava, auxmoney). Inzwischen hat sich auch in Deutschland eine FinTech-Startup-Szene gebildet, deren Epizentrum Berlin ist. Die Anbieter gehen geschickt vor: Sie vermeiden den Status einer Vollbank, um nicht die regulatorischen Anforderungen (z.B. Basel III) erfüllen zu müssen, die mit einem hohen Kostenaufwand (Personal, IT-Systeme) verbunden wären.

Insofern war es nicht übertrieben, als Bill Gates vor Jahren sagte: „We need banking, not banks.“

Bedarf bleibt bestehen

Der Bedarf für den klassischen Finanzintermediär, den Finanzdiplomaten, bleibt aber bestehen. Dieser Bedarf wird angesichts der technologischen Herausforderungen sogar wachsen. Genannt seien die Themenfelder Sicherheit im Netz, unabhängige Beratung, Informationsangebote etc. Die Bank kann nur überleben als eine Art Trusted Advisor.

In den Worten von Jürgen Ponto: „Die Banken werden zunehmend die Rolle einer Clearingstelle und Drehscheibe eines auf die praktischen Bedürfnisse der Wirtschaft abgestellten Beratungs- und Informationsflusses zu übernehmen haben.“

Die Banken müssen selbst erst wieder beweisen, dass sie in ihrer Rolle als Risikohändler (Niklas Luhmann) für die Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar sind und bleiben. In den letzten Jahren sind die Banken den Beweis schuldig geblieben. Neben einem weiteren Vertrauensverlust droht damit der Funktionsverlust der klassischen Institutionen. Ohne einen tiefgreifenden Kulturwandel wird sich beides nicht aufhalten lassen. Es handelt sich um einen Wendepunkt und keine bloße Zeiterscheinung, die vorüber geht.

Über den Autor:

Ralf Keuper ist von der Ausbildung her Bank- und Diplomkaufmann. Seit annähernd 15 Jahren arbeitet er als Berater für Banken an der Schnittstelle zwischen der IT- und Fachabteilung. Seit einiger Zeit ist er auch als Blogger und Autor tätig. Im Mai dieses Jahres erschien sein Buch "Bankstil - Von Stilwandel im Banking und in der Bank-IT". Sein besonderes Interesse liegt auf dem Stilwandel, der sich momentan im Bankwesen vollzieht. Treiber dieses Wandels ist nicht nur die fortschreitende Digitalisierung; ebenso wichtig sind  soziale Innovationen und ein kultureller Wandel in der Gesellschaft. Daraus ergeben sich für die branchenfremden Herausforderer  und die zahlreichen FinTech-Startups große Chancen. Die Banken müssen hierauf, wenn sie in Zukunft noch als Finanzintermediäre wahrgenommen werden wollen, schlüssige Antworten finden.

Das sagt der Experte über NIMIRUM:

Gerade im Bereich Finanzdienstleistungen ist es wichtig, dass wegweisende Entscheider klare Analysen und verständliche Handlungsempfehlungen bekommen. NIMIRUM sorgt für diesen Austausch. Als Experte trage ich gern dazu bei.

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