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7 Fakten über den Innovationsmarkt Rumänien (Ländercheck, Folge 5)

Blog-Eintrag   •   Jun 30, 2016 09:00 CEST

1 Schnelles Internet

Rumänien hat die schnellsten Breitbandverbindungen Europas. Als einziges europäisches Land ist es in den weltweiten Top 10 der „State of the Internet“-Berichte von Akamai vertreten. Der amerikanische Präsidentschaftsanwärter Bernie Sanders schrieb in einem Tweet, es sei inakzeptabel, dass Bukarest schnellere Internetverbindungen als jede amerikanische Stadt in Amerika habe. Der Shitstorm ließ nicht lang auf sich warten ... Das zeigt höchstens: Rumänien hat kein Internetproblem, aber ein Imageproblem.

2 Wachsende IT-Branche

Das ist angesichts des schnellen Internets nicht verwunderlich: In Rumänien gibt es pro Kopf mehr IT-Ingenieure als in den USA, Indien, China oder Russland. Der IT-Sektor wächst hier auch deshalb so schnell, weil die rumänische Regierung massive Steuererleichterungen für die Software-Branche durchgesetzt hat. Davon profitieren nicht nur viele große Firmen aus dem Ausland, die ihre IT-Arbeit nach Rumänien outsourcen, sondern auch immer mehr rumänische Firmen und Tech-Startups.

3 E-Commerce

Neben der IT-Branche profitiert auch der Online-Handel von den Internetgeschwindigkeiten Rumäniens. Die E-Commerce-Branche ist 2015 um 30% gewachsen und wird mit fast 1,5 Mrd. Euro bewertet. Das Nutzungsverhalten unterscheidet sich je nach Zielgruppe stark: Die Gruppe der über 55-Jährigen hat eine wesentlich geringere Kaufkraft als in Deutschland, aber jüngere Leute bestellen immer häufiger im Internet. Der Online-Handel ermöglicht es ihnen, westliche Produkte zu bestellen, die sonst in Rumänien nicht erhältlich sind.

4 Kampf gegen Korruption

In Rumänien herrsche eine „Kultur der Korruption“, sagte einmal Angelos Giannakopoulos, der von 2006 bis 2009 im Auftrag der EU die Korruptionsbekämpfung in verschiedenen europäischen Ländern untersuchte. Tatsächlich hatte sich Rumänien im internationalen Korruptionswahrnehmungsindex von 2012 bis 2014 trotz vieler Bemühungen und Forderungen verschlechtert, von Rang 66 auf Rang 69. Ein Lichtblick war die Verurteilung von Ex-Ministerpräsident Adrian Năstase wegen der Veruntreuung von Parteispenden. Im Juni 2012 trat er seine zweijährige Haftstrafe an. Es folgte eine Welle von Verhaftungen, auch ranghohe Politiker blieben nicht verschont. 2014 kam es zu 1051 Verurteilungen wegen Korruption. Mit den Demonstrationen gegen den damaligen Ministerpräsidenten Victor Ponta, der sich an sein Amt klammerte, als bereits wegen Korruption gegen ihn ermittelt wurde, zeigten große Teile der Bevölkerung, dass sie weniger Korruption sehen wollten. Bezeichnend ist, dass ausgerechnet der ehemalige EU-Kommissar Dacian Ciolos zu Pontas Nachfolger ernannt wurde. Klar wurde so, dass Rumänien mit Unterstützung der EU die Kultur der Korruption tatsächlich überwinden kann – und es 2015 immerhin auf Platz 58 des Korruptionsindexes schaffte.

5 Erfolg in der Automobilbranche

Wenn Sie ein deutsches Auto kaufen, stehen die Chancen sehr gut, dass Verkabelung, Lenkrad, Getriebe und Teile der Software in Rumänien produziert wurden. Ford baut Autos gleich komplett vor Ort, und die Renault-Tochter Dacia ist die größte Hoffnung der Franzosen, international nicht den Anschluss zu verlieren. Renault schätzt vor allem die günstigen Herstellungskosten. Die rumänische Autoindustrie generierte 2013 einen Gesamtumsatz von 16,86 Mrd. Euro und hat damit einen Anteil von 11,9% am Bruttoinlandsprodukt.

6 Starke Präsenz auf dem deutschen Arbeitsmarkt

„Wer betrügt, der fliegt“ – so hatte CSU-Chef Horst Seehofer auf die EU-Entscheidung reagiert, Rumänen und Bulgaren zum 1. Januar 2014 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit zu gewähren. Der von der CSU befürchtete massenweise Sozialbetrug blieb aus, und ein Jahr später ließen die Zahlen des Institus für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung den Schluss zu, dass „Rumänen gemessen an Indikatoren wie Arbeitslosigkeit und Leistungsbezug zu den am besten in den Arbeitsmarkt integrierten Ausländergruppen in Deutschland gehören.“

7 Besserer Lebensstandard in Großstädten

Westliche Lebensstandards zu erreichen war bereits vor dem EU-Beitritt Rumäniens großes Ziel. In manchen Regionen scheint das inzwischen erreicht. Großstädte wie Timisoara (Temeswar), Arad, Oradea, Cluj, Sibiu (Hermannstadt), Brasov (Kronstadt) und natürlich Bukarest haben sich auch dank deutscher Investitionen gut entwickelt und weisen eine Arbeitslosenquote zwischen 1,6 und 3% auf, weit unter dem Landesdurchschnitt von 6,9%. Auf dem Land zeigt sich allerdings die Kehrseite dieser Entwicklung. Viele ländliche Regionen haben den Anschluss nicht geschafft, der Verbesserungsbedarf ist groß. Die Wirtschaft wuchs 2015 trotzem um satte 3,7%.

Der Standort Rumänien hat Potenzial. Wer sind diese Rumänen – wie ticken sie? Was hat es mit dem Mosaik aus Ost und West, aus Latinität und Orthodoxie, aus Dynamik und Lässigkeit auf sich? Der Blick sollte nicht immer bei den niedrigen Löhnen hängen bleiben. Kreativität, Flexibilität und Wettbewerbsorientierung sind wichtige Wirtschaftsfaktoren, ebenso wie die Besessenheit schnell aufzuholen um westeuropäische Lebensstandards zu erreichen.

Wie motiviert man die Rumänen am besten? Sind sie ausgesprochene Individualisten oder verhalten sich doch eher kollektivistisch? Sollte man lieber junge oder ältere Menschen einstellen? Und wieso ist das geschlechtsspezifische Lohngefälle (gender pay gap) so viel kleiner als in Deutschland?

Länderchecks von Nimirum helfen Ihnen bei der Orientierung auf dem rumänischen Markt. Wir wissen, warum die Rumänen Deutschland bewundern und was sie wirklich über den deutschen Kommunikationsstil denken. Und wir ahnen sogar, warum sie wie die Verrückten fahren. Wir zeigen Ihnen, wie man vor Ort Vertrauen gewinnt.

Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne.

Zur Person: Andreea Sepi ist Profi in den Bereichen interkulturelle Kommunikation und Marketing mit Fokus auf deutsch-rumänischen Beziehungen. Gleich nach ihrem Studium in Timisoara, Michigan und Regensburg entdeckte sie ihre Leidenschaft für lokales Marketing in einer globalen Welt. 

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